Website gestalten – Smart und Small

Beim Aufsetzen eines Blogs oder Website gestalten gilt die Regel: Logisch-intuitive Struktur, Infos dort platzieren, wo sie der Seitenbesucher vermutet zu finden, und weniger ist mehr. Manche sprechen von für den DAU-Typ passender Gestaltung. Mit DAU ist der “Dümmste Anzunehmende User” gemeint. Also der mit Internet und Webseiten Unerfahrenste, der sich intuitiv, ohne viel nachzudenken durch eine Webseite navigiert.

Das beste Beispiel für intuitive Bedienung von Internet-Technologie ist Apple. Spielerisch bewegt man sich durch die Apple-Medien. Man muss im Grunde genommen nur schauen und tun (wischen) und sich damit schrittweise vorarbeiten. Da ist nichts zuviel und auch nichts zuwenig in den Apple-Menüs vorhanden. Alles findet man am intuitiv richtigen Platz und die Handhabung des Gerätes ist leicht erlernbar. Die Angebotspalette an Computertechnik ist überschaubar geblieben. Und ich kenne viele Ältere (Silver Agers, 70+ Generation), die sich ihr erstes Smartphone oder Tablet kaufen, und dann aber eines von Apple.

Darf es ein wenig Psycho sein?

Hätten wir zuviele Informationen und zuviele Auswahlmöglichkeiten, dann würde unsere Entscheidungsfähigkeit dadurch eingeschränkt werden. Was dieses Zuviel mit Lähmung, mit Depression, Unglücklichsein, Schuldgefühlen und Entscheidungsschwäche zu tun hat, erklärte der Psychologe Barry Schwartz in seinem TED-Talk “The Paradox of Choice” bereits vor 11 Jahren einem Publikum in Oxford, England.

Online Marketing ist Psychologie!

Hast du dir dieses Video angesehen? Gut, dann wirst du jetzt vermuten, wohin ich mit diesem Beitrag deine Aufmerksamkeit lenken möchte. Immer noch obliegt nämlich in vielen Unternehmen das Website gestalten und Aufsetzen einer Landingpage, eines Blogs den “Webmenschen” der Firma. Den Programmierern und Webdesignern. Und immer noch sehen diese “Webmenschen” gerne Rot, wenn es um Psychologie, Intuition, Motive, Verhalten von Kunden und Emotionen geht. Alles nicht greifbar, zuviel Gerede, schwierig,…, weg damit.

Diese Metaebene einer Website besteht u.a. aus Fragen zu den Themen…

  • Zielgruppen-Personas und deren Probleme und Bedürfnisse,
  • Lesefluss und Aufmerksamkeitskurve,
  • inhaltliche Bedeutung von Begriffen (präzise Sprache!),
  • intuitive Wahrnehmung von Informationen der Webseite wie Farben, grafische Aufteilung,
  • Vermittlung von unbewussten, spontanten Botschaften durch grafische Elemente oder Farben….

Als ich einem “Webmenschen” vorschlug, aus psychologischen Gründen eine Call to Action – Funktion auf einer Landingpage nur zu vertauschen, erhielt ich dafür mürrisches Brummen. Der Button hätte nur die Seite wechseln müssen. Mein Vorschlag wurde auf bemerkenswert konstante Art ignoriert.

Dabei ist Marketing auch eine psychologische Aufgabe. Marketing spielt mit Emotionen, nützt intiutive Verhaltensweisen und erforscht den Alltag von Zielgruppen (Stichwort: Sinus-Milieu) und deren Probleme und Bedürfnisse. Wenn man möchte, kann man durchaus sagen: Marketing erstellt ein Psychogramm des Kunden und arbeitet dann die abzusetzenden Botschaften an diesem Kunden-Psychogramm ab.

Machst du auch solche Fehler, die viel Geld kosten?

Viele Websites zeigen einen auffälligen Mangel an strategischer Planung.

  • Oftmals wimmelt es von Links auf Unterseiten, die nichts mit dem Angebot zu tun haben und Absprünge provozieren.
  • Es wimmelt vor Service-Seiten, Informationen und Unterseiten, die nur der Selbstdarstellung des Unternehmens oder Bloggers dienen. Oder die aus Verlegenheit entstanden sind, doch noch ein wenig mehr an Service zu bieten, damit Google die Website findet, so der Trugschluss.
  • Oftmals häufen sich schöne Grafiken, große Bilder und Beschriftungen (Überschriften und Fließtexte) in GROSSBUCHSTABEN. Obwohl jeder mit Psychologie arbeitende Marketer dazu aufschreien müsste, weil Fließtexte in Blockschrift nicht sinngemäß erfasst werden können.
  • Und ein zu rascher Bilderwechsel und zuviele unterschiedliche Grafikelemente verwirren das Auge und fordern den Absprung des Users von der Website heraus.
  • Meist steht schlichtweg zuviel auf der Website, was nichts mit dem eigentlichen Angebot zu tun hat. Zu diesem Zuviel zählen auch Werbebanner und Popups.
  • Oder am Ende steht einfach nur das Richtige auf der Website, aber an falscher Position.

Wirrwarr, ein Zuviel, keine klare Linie, solche Fehler machen übrigens alle: große und kleine Unternehmen, namhafte und unbekannte. Und sie kosten Geld! Geld, das sie nicht verdienen, weil ihnen die Kunden von der Website abspringen und beim Mitbewerb kaufen. Weil sie sich vom Wirrwarr haben abschrecken lassen.

Checkliste – Corporate Website gestalten

Genug der harten Worte. Hier möchte ich ein paar Tipps geben, wie sauberes Website gestalten funktionieren kann und welche Überlegungen seitens dieser Metaebene am Beginn zu treffen sind. Achte also auf diese Punkte:

  • Deine Website muss Responsive sein! Die Website wird im ersten Schritt für Smartphone und Tablet designed. Die Desktop-Version ist nur eine Draufgabe. Alle anderen Entscheidungen über Inhalte unterliegen dem Prinzip, ob diese am Smartphone lesbar sind.
  • Kategorien-Menü als Hauptmenü entwerfen.
  • Kategorien anhand einer Keyword-Suche zum Angebot oder Produkt entwickeln.
  • Domain wählen, die Suchmaschinen freundlich ist und in den Kontext des Hauptkeywords der Unternehmensleistung passt.
  • Entscheidung vor Aufbau der Webseite für einen Anker: ist dieser die Marke, die Dienstleistung, das Produkt oder die Zielgruppe? Was wird im Kern auf der Website präsentiert? Dieser Kern ist der Anker!*
  • Cornerstone Content schon zu Beginn mitdenken. Dieser wird aus den meist gesuchten Problemen, die das eigene Angebot zu lösen vermag, erstellt.
  • Weniger Information ist mehr. Der erste Blick auf die Webseite vermittelt exakt das, was der User auf dieser zu finden hofft.
  • Aus diesem Grund muss man die Probleme der Zielgruppe wissen, und Antworten bzw. Lösungen mit seinem Angebot parat haben.
  • Das Angebot auf der Webseite reduzieren. Zuviele Möglichkeiten ein und das Selbe zu bekommen, verwirrt und führt zu Entscheidungsunwilligkeit und Unzufriedenheit und in weiterer Folge steigt die Gefahr der Reklamation.*

Small and Smart sollte dein Webauftritt sein!

Von Kategorien und Personas

  • Wird ein Kategorien-Menü aufgebaut, bereitet man sich damit die Grundlage für eigene Landingpages, die mit dem Thema der Kategorie für inhaltliche Tiefe im Web sorgen. Dieser Aspekt ist besonders wichtig für Blogs!
  • Das Kategorien-Menü zwingt auch ein und das selbe Oberthema immer wieder neu aufzubereiten, was ein wichtiges Element eines erfolgreichen Blogs ist. Tiefe also statt Breite. Diese Strategie macht Google und andere Suchmaschinen glücklich, sodass mittels der Inhalte in dieser Kategorie viel Relevanz geschaffen wird. Was relevant ist, findet Google.
  • Und da Kategorien anhand der Keyword-Suche erstellt werden, dockt man sich automatisch an das zu lösende Problem der Internet-User an. Was wieder die Trefferwahrscheinlichkeit von Suchmaschinen, die Website zu finden, erhöht. Die Frage, was sucht der User zu meinem Produkt, auf der eigenen Webseite zu beantworten, lohnt sich also. Man könnte dadurch Gefahr laufen, mehr Leads zu generieren. Wie unangenehm! 😉
  • Ja, weniger Auswahlmöglichkeit ist mehr. Das gilt auch für das Angebot von Socialmedia Buttons auf der Webseite oder dem Blog. Hier gilt es nur jene Teilen-Buttons zu dem Website-Besucher anzubieten, in denen dieser hauptsächlich aktiv ist. Wenn die Zielgruppe auf Tumblr beispielsweise wenig vertreten ist, kann man sich einen Tumblr-Button am Blog unter dem Beitrag sparen. Als Richtwert empfiehlt sich maximal 5 Like-Buttons zu Socialmedia-Kanälen auf der Webseite oder am Blog anzubieten.
  • Und schon wieder benötigt man für die passende Aufbereitung dieser Fragen ein Marketingkonzept mit Zielgruppenpersonas, dass das Verhalten der Kunden genau beschreibt. “Psycho-Analyse” ist also angesagt, beim Webmarketing.

Finden sich Kinder auf deiner Website zurecht?

Wie sieht es mit dem nicht so versierten Besucher deiner Webseite aus? Finden sich Ungeübte auch zurecht? Diese Frage sollte ebenfalls vor der Umsetzung oder eines Relaunch einer Firmenwebsite beantwortet werden. Wir sprechen hier vom DAU. Dieser, zugegeben nicht besonders nette Begriff, beschreibt den “Dümmsten Anzunehmenden User”. Man baue also die eigene Webseite so auf, dass sie kinderleicht zu bedienen ist. Im Journalismus gilt ja auch die Regel:

Schreibe so, dass ein 12-jähriges Kind deinen Text versteht! Auf Website-gestalten-Deutsch heißt das, gestalte deine Website so, dass sich ein Kind auch rasch auf ihr zurechtfindet.

Wer zu diesem Thema mehr wissen möchte, dem empfehle ich übrigens das Buch “Praxisorientiertes Online-Marketing” von Kreutzer, insbesondere das Kapitel “4.2.1 Aufbau einer Corporate Website” ab Seite 95. Am Ende des Artikels findest du einen Link zu diesem Buch.

Lass deine Website von Usern testen. Sehen die auf den ersten Blick, um was es auf deiner Firmenwebsite geht? Finden sich diese schnell zurecht? Immer wieder die Corporate Website zu testen, gehört zu einem guten Webmarketing dazu!

Zusammenfassung

Lautet das nächste Projekt in deiner Firma “Website gestalten“, dann solltest du diese wenigen inhaltlichen Empfehlungen umsetzen. Und denk dran, Responsive lautet hier die Maxime.

Auch um ein Marketingkonzept mit spitzer Zielgruppenpersona wirst du für eine gelungene Website oder ein Blog nicht herumkommen. Denn je spitzer die Persona (ein Unternehmen hat meist 5 bis 6 Zielgruppenpersonas), umso weniger Wahlmöglichkeit im Angebot und präziser dieses für die Zielgruppe, umso genauer die Ansprache des Kunden, umso weniger Streuverlust und umso effizienter der Kosteneinsatz fürs Marketing. Mit einem Online Marketingkonzept sparst du wirklich Geld!

Deswegen solltest du auch einen Anker für die Website deines Unternehmens definieren und auf dieser den User intuitiv dorthin führen, was er zu finden hofft. Du musst immer deinen Kunden mit seinen Bedürfnissen und Erwartungen an dein Angebot im Blickfeld behalten.

Halte deine Webseite oder dein Blog smart und small. Weniger ist mehr und motiviert deine Website-Besucher eher dazu, eine Aktion durchzuführen (kaufen, Newsletter bestellen, Informationen anfordern, Beratungstermin vereinbaren etc…).

Binde deine Website geschickt in andere Online- und Offline-Marketingmaßnahmen ein. Ihr kommt die selbe Bedeutung wie dem Firmengebäude oder Büro zu. Die Corporate Website ist das Firmengebäude im Internet.

Abschließend noch ein Satz, den ich an dieser Stelle einfach loswerden möchte:

Mir ist bis heute kein Webdesigner oder Webprogrammierer untergekommen, der mich nach einem Online Marketingkonzept beim Briefing für die Website fragte. Da wird Website gestalten praktiziert ohne strategischer Basisinformation aus dem Marketing.

 

Quellen und Hinweise:

Kreutzer, Ralf T.: Praxisorientiertes Online Marketing. Konzepte-Instrumente-Checklisten. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Mit einem Beitrag von Julia Blind und Rebekka Stumpfrock. Wiesbaden: Springer Gabler 2014.

*Zur Gestaltung einer Corporate Webseite siehe KREUTZER, S. 104f. In diesem Kapitel finden sich auch Checklisten für die Gestaltung der Website.

**Schwartz bringt dazu das Beispiel der 175 Salatdressings im Supermarkt. Welches nimmt man wirklich, welches ist das Richtige? Umgelegt auf andere Branchen bedeutet das: lieber 5 Modelle statt 20 zur Auswahl. Subaru macht das vor und bietet eine überschaubare Zahl an Fahrzeugmodellen. Verfügt aber auch über eine spitze Zielgruppenpersona. Ford hingegen erschlägt den Kunden mit der Angebotspalette, und provoziert damit, meiner Meinung nach, Entscheidungsunwillen. Ford vermittelt aber auch, für alle Menschen Autos bauen zu können. Für alle, das geht nie! Touristiker, die jedes Jahr neue Arten von Unterkünften anbieten, ohne bei der Auswahl dieser behilflich zu sein, verwirren nur ihre Gäste. So provozieren sie einen Rückgang in der Auslastung. Sich wundern, weshalb trotz reichem Angebot die Gäste ausbleiben, gilt dann nicht mehr. Vielleicht liegt es nämlich am Zuviel des Guten?


Beitragsbild pixabay CC0

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<p>Socialmedia Marketer | Content Marketer und Reisende aus Leidenschaft. Liebt Road-Trips, das Fahren steht im Vordergrund. Bevorzugte Reiselektüre: Thriller auf einsamen Übernachtungsplätzen lesen. Bevorzugte Destinationen: Küstenlandschaften und Weltkulturerbe.<br />
Aktuell schreibe ich an einer Masterthesis über Socialmedia Strategie aus Sicht der Millenials.</p>
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