Diese italienischen Webseiten sind entsetzlich!

KOMMENTAR – Kaum recherchiere ich über Italien als Reiseland im Internet, fallen mir die italienischen Webseiten unangenehm auf. Ehrlich, die furchterregende User Experience, gepaart mit plattem Content, ist nur schwer zu ertragen. Gibt es dann noch eine deutsche Version der Webseite, knallt dir diese mit einer in ausnahmslos allen Fällen elenden Übersetzung in die Germanisten-Magengrube. Würg. Speib.

Wenn ich an Italien denke, dann verbinde ich dieses Land mit perfektem Design, mit Maßanzügen und Mode, glänzendem Schuhleder und exzellentem Geschmack, gutem Essen, einer farbenfrohen und fantasievollen Kulinarik, schnittigen Sportwagen und atemberaubenden Kunstwerken. Diese Attribute scheinen jedoch auf italienische, touristische Webseiten nicht zuzutreffen. Atemberaubend ist hier höchstens die User Experience (UX).

Gut geht anders

Das Gros der italienischen Destinationsseiten ist meist nicht mehr als ein online gestellter Print-Katalog. Dafür zieht man alle Register:

  • teils lange Ladezeiten,
  • platter Content,
  • in Marketing-Sprache verpacktes Blabla (ein absolutes No-Go!),
  • viele, viele Rechtschreibfehler (auch ein absolutes No-Go)
  • sowie miserabelste Übersetzungen (noch mehr No-Go).

Von Responsive Design will ich gar nicht reden.

Die Emilia Romagna Tourismo Webseite wird beispielsweise immer wieder als Best Case für digitales Destinationsmarketing bei Events hervorgehoben:

Mit dem Smartphone kann ich sie jedenfalls nicht lesen! Mag ich das? NEIN!

Die dazugehörende Blogosphäre BlogVille lässt dich nach den Artikeln in deiner Sprache brav ins Hamburger Menü abtauchen, um dort dann das ersehnte “Find Stories” (sic!) der deutschsprachigen Version zu finden. Da wurden nur Teile der Webseite übersetzt.

Tut man das? Mag ich das? Auch ein NEIN!

Für mich ist dieses BlogVille sowieso schlampig gemacht, nicht nur weil die URL-Struktur eine saubere Subdomain oder ein ordentlich gemachtes Unterverzeichnis für die fremdsprachigen Versionen vermissen lässt. Sondern auch, weil die Seite von Google schlecht gefunden wird. In 2 Jahren Recherche über italienische Destinationen (auch die italienischen Regionsbezeichnungen wurden als Suchbegriffe verwendet!) kam sie mir kein einziges Mal unter. Weder in der deutschen, noch der italienischen Version. Ich musste erst über ein Programm einer Tourismusveranstaltung auf dieses mehrfach ausgezeichnete (!) Digitalprojekt stoßen. Google Search hat es mir jedenfalls nie ausgespuckt. [Anmerkung: Zu den Übersetzungen fremdsprachiger Seiten möge man die Must Haves bei Ryte nachlesen!]

Autsch! Deutsch skurill

Aber kommen wir zu meinem Lieblingsthema der korrekten Sprachverwendung. Nicht nur als Germanistin dränge ich auf solide Sprachkenntnisse, wenn publiziert wird. Auch die Marketingliteratur weiß, korrekte Rechtschreibung und Grammatik baut Vertrauen beim User/Leser auf. Webseiten (aber auch Blogs und Socialmedia Profile), die vor solchen Fehlern strotzen, wirken dem Aufbau einer positiven Online Reputation entgegen. Die Italiener machen sie aber trotzdem, die vielen Fehler auf ihren deutschen Web-Versionen.

 

User Experience

Schaut euch diesen Screenshot einer italienischen Destinationsseite einmal an. Wenn man das zum ersten Mal liest, mag es ja noch lustig wirken. Findest du jedoch laufend derartige Übersetzungen, dann kommst du zum Schluss:

Mann, ist das peinlich!

Soll ich lachen oder weinen?

Ich kann nicht anders. Ich muss euch einfach noch ein paar Beispiele zeigen:

Märkte, Kunst, Geschmäcke und Vergnügen.

Oder so geht’s auch:

Der Sommer in Rimini steht im Zeichen des Wohlbefindens, der Armonie und Gesundheit.

Wenn schon großteils korrekte Übersetzungen, dann aber mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern. Ist das Schlamperei oder fehlendes Sprachvermögen bei den Übersetzern? Die User Experience leidet jedenfalls deutlich darunter.

Wenn Budrio für die Herstellung der Okarina bekannt ist, ein simples Blasinstrument aus Terrakotta, dem die Stadt auch ein Denkmal gewidmet hat, dann sind in Bologna, vor kurzem von Unesco zur „Musikstadt“ ernannt, Werkstätten von Saiteninstrumenten eine wahre Tradition.

Solche Satzkonstruktionen lieben die Italiener. Diese sind dem Deutschen aber so fremd, wie dem Chinesen die Powidltatschkerl.

 

Geringe User Experience für Zielgruppe

In Zeiten, in denen Web-Lösungen ein straff definiertes Ziel verfolgen (Stichwort: Leads, Conversions), kann man sich solch schlampige Webseiten einfach nicht mehr leisten. Und ich nehme einmal an, dass auch italienische Touristiker mit ihren Webseiten Gäste ansprechen und zum Buchen animieren wollen. Dass sie ein Ziel mit dem Webauftritt verfolgen.

Für den Webseitenbesucher wirken diese italienischen Webseiten jedenfalls lächerlich und wenig Vertrauen erweckend. Deswegen wundert es mich umso mehr, dass in einem der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen und Österreicher so schlampige Web- und Contentlösungen gepflegt werden. Spricht doch der Markt, die Zielgruppe Deutsch.

Weil anders herum höre ich sehr wohl von den Touristikern: “Zuwenige Gäste, zuwenige Buchungen, der deutsche Kooperationspartner möge doch für die italienische Destination Werbung auf dessen Facebookseite machen.” Hat da jemand das ganze Online-Marketing-Dingsbums nicht verstanden und drückt sich um die eigenen Hausaufgaben?

ERGÄNZUNG vom 21.11.2017: Ein Südtiroler Agenturchef, der Online Kommunikation für die Tourismusbranche macht, meinte auf dieses Thema angesprochen: “Die sind in der Steinzeit, investieren aber auch so wenig wie möglich ins Online Marketing. Ist so. Damit müssen wir leben. Italien ist extrem hinten nach mit diesem Thema. Südtirol nach wie vor eine Ausnahme und viel weiter vorne. Doch je weiter man in den Süden kommt, umso schlimmer wird’s.”

Fazit

Dass es anders geht, zeigt beispielsweise das Sardinien Blog Pecora Nera (für mich eines der schönsten Regionsblogs überhaupt) oder die Sardinien.com – Freilich beide nicht von Italienern, sondern von Deutschen gemacht. 😉

Den Lesern dieses Beitrages möchte ich jedenfalls raten, besucht die Webseite eurer Lieblingsurlaubsdestination in Italien und staunt. Mein Mitleid habt ihr. Und falls ihr einen fürs Tourismus-Marketing verantwortlichen Italiener kennt, dann redet ihm bitte ins Gewissen, wegen dem Deutsch, dem Content, dem Responsive Design und der User Experience. Diese Old-School Haltung könnte nämlich als sprichwörtlicher Schuss nach hinten losgehen: Google Search straft erbarmungslos nicht responsive Designs mit miesen Rankings ab. Dann heißt’s, wer im Internet nicht gefunden wird, hat bald auch keine Kunden mehr.

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<p>Socialmedia Marketer | Content Marketer und Reisende aus Leidenschaft. Liebt Road-Trips, das Fahren steht im Vordergrund. Bevorzugte Reiselektüre: Thriller auf einsamen Übernachtungsplätzen lesen. Bevorzugte Destinationen: Küstenlandschaften und Weltkulturerbe.<br />
Aktuell schreibe ich an einer Masterthesis über Socialmedia Strategie aus Sicht der Millenials.</p>
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