Pressearbeit Tipps Teil 1

Meine ersten beruflichen Tätigkeiten nach dem Studium waren Pressearbeit und Public Relations. Und noch heute stelle ich fest, ohne guter Pressepräsenz geht’s nicht. Marketing muss auch Pressearbeit beinhalten. Verleihe deinem Unternehmen News-Charakter.

Pressearbeit wird nach wie vor unterschätzt. “Presse, nö, das brauchen wir nicht.” Oder: Die Journalisten interessieren sich ja nicht für uns, weshalb sollen wir dann Pressearbeit machen? Eine andere Variante wäre, die Medien gleich über einen Kamm zu scheren und sie in den Topf mit der Aufschrift “Arogant, selbstherrlich, bestechlich, für jede geschriebene Zeile soll man zahlen” zu werfen.

Meine Vermutung für solche Aussagen ist: Wer keine Journalisten zu seinem Freundeskreis zählt, mag leicht dieser Meinung sein. Wer auch noch ungern in der Öffentlichkeit steht, dem sind Medien meist ein Gräuel. Die große Unbekannte. Hilfe, da könnte ein Mikrofon auf mich gerichtet sein. Das will ich nicht!

Journalisten zu Freunden machen

Kurz und gut, Journalisten sind trotzdem nur Menschen und immer auf der Suche nach guten Geschichten. Oder Menschen, die etwas Besonderes tun, durch ihre Leistung aus der Masse heraustreten. Journalisten suchen Helden, die im Alltag normalerweise untergehen. Sie suchen das Außergewöhnliche mit starken Bildern. Und genau hier kann Pressearbeit ansetzen.

Nichts für reine Werber

Wer ist für Pressearbeit geeeignet? Jemand, der einen Draht zu Journalisten hat, der über Kontakte verfügt, und bestenfalls selbst eine Zeitlang als Journalist gearbeitet hat. Jemand der gerne schreibt, über ein Sendungsbewusstsein verfügt und kommunikativ ist. Dem Öffentlichkeit nichts ausmacht, und auch nicht das Mikrofon oder die Kamera scheut.

Du solltest selbst auch Medien affin sein. Soll heißen, du konsumierst gerne Medien, und kennst die Formate, in denen du mit deinem Unternehmen vertreten sein willst. Und Pressearbeit hat nichts mit Werbung zu tun. Pressearbeit bedeutet, Berichte über dein Unternehmen in die Medien zu bringen. Für diese so interessant zu werden, dass sie dich gerne kontaktieren, weil du dich in deiner Branche am besten auskennst, der Profi bist.

Meine Liste allgemeiner Fakten zur Pressearbeit

Ich habe ein paar Fakten zusammengestellt, die ganz allgemein die Pressearbeit für ein Unternehmen, egal welcher Größe, beschreiben.

  • Journalisten sind deine Freunde und keine Feinde. Auf die Einstellung kommt es an!
  • Pressearbeit heißt nicht, Werbeinserate und PR-Artikel in Auftrag geben. Pressearbeit bedeutet, sich den Medien so zu präsentieren, dass diese es für wertvoll erachten, über dich zu berichten.
  • Gute Nachrichten sind immer noch begehrt und werden gerne angenommen.
  • Für Freunde interessiert man sich. Interessiere dich für den Journalisten, den du ansprechen möchtest. Was mag er oder sie? Hat er/sie schon über dein Arbeitsgebiet geschrieben?
  • Pressearbeit ist nichts für Spontanentscheider. Gute Presse- und Medienpräsenz baut man sich mittel- bis langfristig auf. Das braucht Zeit.
  • Recherchiere gut, welche Medien sich für deine Firmentätigkeit, deine Leistung, dein Produkt eignen? Welche dieser Medien lesen deine Kunden? Das ist gaaaanz wichtig! Deine Zielgruppen-Persona wird dir zeigen, welche Medien deine Kunden, deine Zielgruppe lesen, sehen, hören.
  • Nicht jene Medien, die du gerne hast, sind mit Pressearbeit anzusprechen, sondern Medien, die deine Zielgruppe konsumiert!
  • Denke unbedingt daran, zuerst in den regionalen Medien gut vertreten zu sein. Erst dann kommen die Überregionalen dran. Wer dich bei dir daheim nicht kennt, wird dich auch kaum woanders kennenlernen wollen. Überregionale Medien werden über eine starke regionale Medienpräsenz auf dich aufmerksam, nie umgekehrt!
  • Mache dir eine Liste von einer Handvoll Medien, die dir für deine Zielgruppe am wichtigsten erscheint.
  • Danach recherchiere jene Journalisten, die zu deinem Thema passen und bei diesen Medien arbeiten. Versuche herauszufinden, welche Interessen diese Journalisten sonst noch haben. Viele Medien stellen auf ihren Online-Portalen nämlich ihre Redaktion vor. Lies nach, was, wer mag. Und für welches Ressort wer zuständig ist.
  • Die Entscheidung, ob berichtet wird, fällt immer noch die Chefredaktion, der Programmchef, und manchmal auch der Chef vom Dienst. Du musst wissen, wer das bei deinen Wunschmedien ist. Die sind deine Ansprechpartner.
  • Lege dir einen Pool an freien Journalisten und Themenbloggern zurecht. Auch Blogs sind Medien und müssen wie echte Zeitungen, Magazine etc. behandelt werden. Diese Freien setzen sich oft vehementer für ein Thema bei der Chefredaktion ein, als es fix angestellte Journalisten tun. Du erhöhst mit ihnen die Chance, in die Medien zu gelangen.
  • Suche dir Medien, die Themen behandeln, welche die Interessen deiner Zielgruppe, Kunden bedienen. Reisethemen passen beispielsweise nicht nur in das Reiseressort einer Tageszeitung. Über Reiseformen können auch Tiermagazine berichten, wenn du beispielsweise Reisen anbietest, bei denen Haustiere erlaubt sind.
  • Versuche dir einen Expertenstatus aufzubauen. Informiere die Medien nur über Dinge, die du ganz besonders gut kannst. Fokussiere dich darauf, deine Stärken bei den Medienvertretern zu präsentieren.
  • Verfasse Presseaussendungen über die Menschen in deinem Unternehmen und was diese leisten. Journalisten wollen echte Menschen mit echten Erfahrungen, keine Produkt-Features.
  • Achtung, eine Pressemeldung ist kein Werbetext. Klassische Marketer texten anders als Presseleute. Du musst deinen Medienvertretern fertige Pressetexte schicken können, die sie notfalls ohne Abänderungen veröffentlichen können. Du musst deine Pressemeldungen wie ein Journalist schreiben.
  • Nochmal, weil dieser Fehler oft begangen wird, wenn reine Marketer die Medien bedienen: Pressesprache ist nicht Werbesprache!
  • Sei sparsam mit Pressekonferenzen. Sie werden nur durchgeführt, wenn wirklich große Themen transportiert werden. Im Normalfall 2 Mal im Jahr. Pressekonferenzen sind “Aufreger”.
  •  Zwischenzeitlich genügt eine Presseaussendung an die Journalisten deiner Wahl. Presseaussendungen können alle 2 Monate erfolgen.
  • Informiere die Medien nur über Dinge, Projekte, die bereits durchgeführt werden. Träume und Zukunftsmusik sind nichts für Journalisten. Von gelegten Eiern sprechen, nicht von Plänen!
  • Bedanke dich für einen veröffentlichten Beitrag und ruf den Journalisten an, der diesen verfasst hat. Denke dran, Journalisten sind Menschen und deine Freunde.
  • Niemals vor Journalisten jammern oder einen Zustand beklagen. Du motivierst damit die Medienvertreter, dich genauer unter die Lupe zu nehmen und ein Bild über dich zu zeichnen, dass negativer Art sein kann. Und sie verlieren das Interesse an dir. “Die wollen nur ihre Probleme bei uns abladen, für die sind wir aber nicht zuständig!”
  • Willst du einen Missstand den Medien mitteilen, dann sprich über die Lösung des Missstandes, nie über das Übel allein! Hast du keine Lösung, dann halte den Mund und rede nicht vor Journalisten darüber. Du könntest sonst den Anschein von Selbstmitleid erwecken, was Journalisten auch nicht mögen.
  • Schreibe alle Medienvertreter mit persönlicher Anrede an. Massenmobilisierung und Massen-Emails sind verboten.
  • Rufe zwei Tage nach Einladung zu einer PK nach, und frage nach, ob und wer von der Redaktion zur Pressekonferenz kommt. Wird abgelehnt, bedanke dich trotzdem höflich beim Journalisten und jammere diesen nicht an, ob er es sich vielleicht doch noch überlegt. Sag viel mehr danke fürs Gespräch und kündige an, dass es dann vielleicht beim nächsten Mal klappt.
  • Bedenke, es gibt Zeiten, die nennt man Redaktionsschluss. Du musst wissen, wann deine Wahlmedien ihren Redaktionsschluss haben. So kannst du deine Presseaussendungen besser planen.
  • Nimm, wenn möglich, bei deinen Presseaussendungen Bezug auf tagesaktuelle Themen. Angenommen, dein Produkt ermöglicht einen sparsameren Treibstoffverbrauch und in den Medien werden gerade hohe Treibstoffkosten diskutiert. Dann verfasse eine Meldung an die Medien, die beschreibt, wie sich Treibstoffkosten mit deinem Produkt senken lassen. Das macht deine Pressemeldung für Journalisten interessanter.
  • Kritisiere niemals Journalisten. Erkläre ihnen auch nicht, was sie zu schreiben oder zu tun haben. Das mögen diese gar nicht. Auch ein Korrekturlesen eines Presseartikels ist nicht drin, wenn du Journalisten zu einem Presseevent geladen hast. Korrekturlesen darfst du nur, wenn du den Text bezahlst, wenn es PR (Werbebeitrag) ist, aber nicht Berichterstattung.
  • Verfasse deine Pressemeldungen als kleine Geschichte. Auch Pressetexte können mit einer solchen beginnen, um interessanter zu sein.
  • Beantworte bei deinen Presseaussendungen immer die Fragen: wer, was, wann, wie, wo, warum. Füge jeder Presseaussendung auch Bildmaterial hinzu.
  • Nütze für die Pressearbeit auch online-Portale wie openPR. Und veröffentliche auf solchen Portalen auch deine Presseaussendungen. Damit zeigst du Google, dass du relevante Inhalte erzeugst, was deine Wertigkeit für Suchmaschinen steigert.

Fazit

So, das wären mal ganz allgemeine Punkte für deine Pressearbeit. Wenn dir dazu noch etwas einfällt, schreibe mir einen Kommentar. Im nächsten Beitrag zeige ich dir, wie du eine Presse-Jahresplanung für dein Unternehmen aufsetzt und woher du die Themen für deine Pressearbeit nimmst.

 

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Socialmedia | Content Marketer und Reisende aus Leidenschaft. Liebt Road-Trips, das Fahren steht im Vordergrund. Bevorzugte Reiselektüre: Thriller auf einsamen Übernachtungsplätzen lesen. Bevorzugte Destinationen: Küstenlandschaften und Weltkulturerbe.
Aktuell schreibe ich an einer Masterthesis über Socialmedia Marketing im Tourismus aus Sicht der Millenials.

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