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Eine Reise zu meinen Vorfahren in Tschechien – Teil 2

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Die Reise zu meinen Vorfahren in Tschechien führte mich im 2. Teil dieses Berichtes von Freudenthal (Bruntál) nach Lobenstein und Troppau. Am Rückweg übernachtete ich noch einmal in Znaim und durfte dort in den Genuss eines geheizten Waschhauses kommen.

Über Landstraßen ging es nach Freudenthal und dann über Hügelland weiter in Richtung Lobenstein (Úvalno). Das Dorf sieht man schon von weitem in einer Senke liegen. Gleich neben der Kirche konnte ich parken. Im gegenüberliegenden Geschäft besorgte ich mir Grablichter. Denn hier in Lobenstein befindet sich das Grab meiner Ururgroßeltern.

Auf der Suche nach den Gräbern der Ahnen

Ich hatte aber keine Ahnung, wo ich das Grab am Friedhof von Lobenstein finden sollte. Erzählungen meiner Familie zufolge, sollte sich der Grabstein nahe der Kirche befinden. So schlenderte ich durch die Reihen und fand gleich am Beginn des Friedhofs die Gedenkstätte an den Bauernbefreier Hans Kudlich, mit dem ich entfernt verwandt bin.

Kudlich Lobenstein
Das Grab vom Bauernbefreier Hans Kudlich fand ich als erstes am Friedhof in Lobenstein.

Doch vom Grab meiner Ururgroßeltern war nichts zu sehen. Ich suchte den ganzen Friedhof nach diesem ab, bis ich unter den Bäumen neben der Kirche auf vier alte Gräber mit deutschen Namen stieß. Da war es, das fünfte unter ihnen, dort stand: Benedikt Wohofsky. Ein Grablicht stand auf dem Sockel. Auch die in den Stein integrierten Bilder meiner Ururgroßeltern kann man noch einigermaßen sehen.

Wohofsky Lobenstein
Unter alten Bäumen, versteckt steht der Grabstein, beinahe unscheinbar. Hier liegen meine Ururgroßeltern begraben.

Schnell hatte ich das mitgebrachte Licht entzündet, da fiel mir eine ältere Frau bei einem der Gräber nebenan auf. Auch ich war ich aufgefallen. Und so kam sie zu mir und sprach mich auf tschechisch mit einem „dobre ranu“ (Guten Morgen) an. Ich erwiderte den Gruß und zeigte auf den Familiennamen am Grabstein, zeigte auf „Wohofsky“. Sie nickte freundlich und ich konnte nur gestikulierend zu verstehen geben, dass auch ich Wohofsky heiße. Das entlockte der netten Dame ein Lächeln und ein ebenso freundliches „dobre, dobre“. Mehr war aber nicht drin. Denn auch sie sprach kein Deutsch und ich spreche kein Tschechisch.

Eckersdorf
Am Ortsanfang von Eckersdorf, dem Wirkungsort meiner Urgroßeltern.

Im Nachbardorf bei den Urgroßeltern

Froh, dieses Grab gefunden zu haben, fuhr ich weiter ins rund 20 Kilometer entfernte Eckersdorf (Jakartovice), wo meine Urgroßeltern begraben sind. Einer der Söhne von Benedikt war der Oberlehrer, der dann die Erbrichterei-Besitzerin in Eckersdorf heiratete. Das waren meine Urgroßeltern: Johann und Aurelia Wohofsky.

Wohofsky Eckersdorf
Das Grab der Wohofskys in Eckersdorf.

Dieses Eckersdorf erschien mir noch verlassener als Lobenstein. Im Gegenteil, Lobenstein ist ein schmuckes Dörfchen mit Kaufhaus neben dem Dorfplatz, obwohl der Ort direkt an der polnischen Grenze liegt. In Eckersdorf hingegen stehen viele Häuser leer oder sind verfallen, manche nur notdürftig renoviert. Selbst die Kirche ist dem Verfall preisgegeben, von dem die bröckelnde Fassade zeugt. Am Weg nach Dorfteschen (Destné) liegt der Friedhof. Hier wusste ich, wo das Grab meiner Urgroßeltern zu suchen war.

Wilder Wein rankte um den Grabstein,  verdeckte die Schrift. Auch hier zündete ich Grablichter an und entfernte das Laub vom Stein, sodass man die Namen wieder gut lesen konnte. Leider traf ich hier niemanden an. Der Friedhof war menschenleer.

Steht die Villa noch?

Danach ging es für mich weiter nach Dorfteschen. Dort stand die Villa mit der großen Freitreppe, die von meiner Familie bewohnt wurde. Von der Villa kannte ich Fotos aus dem Familienalbum und wusste aus Erzählungen, dass diese dem Verfall preisgegeben ist.

Dorfteschen
Die Villa in Dorfteschen, wo die Wohofskys lebten.

Dorfteschen ist ein Nest. Schnell fand ich den Weg zum kleinen Friedhof mit dem Kirchlein an der Ortsausfahrt. Daneben sollte sich das Anwesen meiner Urgroßeltern befinden.  Ich fand dieses versperrt vor, die Zufahrt zu den Wirtschaftsgebäuden war mit einem großen Tor und Videoüberwachung gesichert. Das Anwesen scheint einen neuen Besitzer gefunden zu haben. Jeglicher Zutritt wird verweigert.

Eine große Tafel untersagt das Betreten des Grundstücks. So konnte ich nur diese Aufnahme von außen anfertigen. Der Anblick war so deprimierend, dass ich beschloss, noch an diesem Tag aus der Gegend zu verschwinden und bis Znaim zurückzufahren.

Tschechien Landschaft Troppau
Eine weite Landschaft, fruchtbar und doch verlassen. Hier die Straße von Dorfteschen in Richtung Troppau.

Nur weg von hier nach Znaim

Die Reise führte mich nun über Troppau zurück zur Autobahn. In gut 2 Stunden sollte ich schon durch Brünn durch sein. Außerdem schmerzte wieder meine Zunge, die sich beständig an meinem Zahn rieb. Und mir war die Lust, noch länger in dieser Gegend zu verweilen, schlichtweg vergangen.

Troppau
Auch für Troppau galt: Nix los im Norden nahe der polnischen Grenze.

Irgendwie war das alles traurig. Der Anblick der weiten Felder, die verlassenen Ortschaften,  in denen man den Häusern bei ihrem Verfall zusehen darf. Menschenleer, und wenn ich jemanden sah, dann sprachen die kein Englisch. Nach Sprachkenntnissen in Deutsch getraute ich mich schon gar nicht mehr zu fragen.

Ein Wort hier zu den Straßen: Die Hauptrouten sind super, neu und gut ausgebaut. Auch Hauptstraßen, die übers Land führen, sind teilweise drei- oder vierspurig ausgebaut. Trotzdem sind wenige Leute über Land unterwegs. Auf der Autobahn selbst geht es schon lebendiger zu.

angelika wohofsky in Tschechien
Mit Schmerzen unterwegs. Nicht lustig. Ich glaub‘, man sieht es mir an.

Erleichtert in Znaim

So gegen 17 Uhr war ich dann in Znaim, und fand einen netten Campingplatz rund 7 Kilometer außerhalb der Stadt. Mitten im Grünen, in einer Art Park, konnte ich übernachten. Die Wetter-App sagte jedoch ersten Frost voraus. Also beschloss ich, auch diese Nacht im Auto zu schlafen, und das Zelt nicht aufzuschlagen.

Camping bei Znaim
Der Campingplatz bei Znaim ist ein kleiner Park. Hinten weiter standen ein paar Reisemobile.

Die Campingplatzbetreiber waren wirklich nett – sie sprachen auch Deutsch. Und sie kochten aus. Also bestellte ich mir ein Abendessen, nahm mir ein gutes tschechisches Bier mit zu meinem Stellplatz und drehte eine Runde um den Campingplatz.

Den Stellplatz hatte ich ganz nah am Waschhaus gewählt. Daneben befand sich ein Pavillon, so konnte ich an diesem warmen Herbstabend windgeschützt die Sonnenstrahlen genießen.

Camping in Znaim
Eingeparkt direkt neben dem Pavillon am Campingplatz.

Apropos Waschhaus – Dieses war beheizt und ich war total erleichtert, bedeutete das eine angenehme Morgentoilette mit heißer Dusche auf warmen Fließen.

Heiße Dusche, was für ein Luxus!

Schon gegen 8 Uhr abends verkroch ich mich ins Auto. Eine empfindlich kalte Nacht kündigte sich an. Um einzuschlafen, sah ich mir noch zwei Filme am iPad an. Danach kroch ich tief in meinen Schlafsack und, zugegeben, bibberte mich ein wenig durch die Nacht.

Nun durfte ich die Grenzen des Auto-Campings kennenlernen. Es war arschkalt. Am nächsten Morgen gab es leichten Frost. Ich bin mir nicht sicher, ob eine solche Nacht in einem Dachzelt angenehmer ausgefallen wäre. Ich glaube nicht. Sie wäre aber angenehmer gewesen, hätte ich meinen Topper und meinen Daunen-Ansitzsack mitgehabt. Und eine Wärmflasche dazu – auch das Ding hatte ich vergessen, ich Trottel. 😉

Ihr könnt euch das sicher vorstellen. Um 6 Uhr morgens war ich hellwach und etwas durchgefroren. Das Waschhaus empfing mich mit wohliger Wärme und heißem Wasser. Mir war jede Lust auf Blödelei und Selfies mit meinem Reisemaskottchen vergangen.

Wow, war das toll. Heiße Dusche, warmes Bad!

Ernüchternder „Vorfahren in Tschechien Roadtrip“

Schon um 9 Uhr stand ich an diesem 30. September 2018 wieder vor der Türe meiner Weinbauern in Rohrendorf. Ich war ohne Frühstück in Znaim weggefahren und wollte nur weg, runter. Wegen der Zunge, die immer noch brannte und wegen der Enttäuschung, wie verlassen sich dieses Sudetenland mir präsentierte.

Ja, ich kann eine gewissen Traurigkeit nicht verleugnen. Blieb doch nur ein Grabstein und eine Villa mit leeren Fenstern übrig, vom Wirken meiner Familie in Eckersdorf.

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