Gedanken über digitalen Nachlass für Blogger

Im Zuge meines Studiums “Online Media Marketing” an der Donau-Universität Krems wurde ich einem Blogprojekt zum digitalen Nachlass zugeteilt. Die Recherchen darüber führten mich zu Dennis Schmolk von “digital danach“, der uns hier einen Gastbeitrag über digitale Daten nach dem Ableben von Bloggern geschrieben hat. Vielen Dank, Dennis. Denn für Blogger ist es besonders wichtig, ihre digitalen Hinterlassenschaften zu verwalten.

Gastbeitrag von Dennis Schmolk

Unmengen an Blogger-Daten

Blogger haben, wie die meisten Menschen der 2010er Jahre, ein ausgeprägtes digitales Leben. Es besteht aus Daten, Identitäten, Kundenkonten, einem Mail-Archiv und zahllosen Online-Kontakten. Und dann haben sie natürlich auch noch ein Blog*. Daran hängt viel Herzblut, aber zum Teil auch ein großer finanzieller Wert, wenn nicht gar eine ganze Existenz. Und natürlich haben sie zu jeder Zeit eine Vielzahl von “Gesprächen” offen: mit Gastautoren, mit Lesern, über soziale Netzwerke und Mail.

Nur die wenigsten Onliner stellen sich jedoch (rechtzeitig) die Frage, was mit diesen digitalen Daten und Werten passiert, wenn sie sterben – und wer sich um diesen digitalen Nachlass kümmert.

Vorsorge, Vorsorge, Vorsorge

Das Thema digitaler Nachlass ist relativ neu. Er wird aber wichtiger: Erstens gibt es immer mehr “Digitalos”. Zweitens werden sie auch nicht jünger und drittens werden immer mehr Ältere online aktiv. Das heißt: Immer mehr Internet-Intensivnutzer sterben. Und das betrifft natürlich auch Blogger zu jedem Themenbereich.

Der “Neuheit” des Themas ist geschuldet, dass es für digitalen Nachlass noch kaum sinnvolle Regelungen gibt. Das Erbrecht ist nicht überall anwendbar – wenn überhaupt klar ist, welches nationale Erbrecht ausschlaggebend ist.

Nur wenige große Web-Dienste (wie Facebook und Google) haben dieses Thema auf dem Schirm. Viele Hinterbliebene kennen sich mit digitalen Welten schlechter aus als der Verstorbene. Und professionelle “Digital-Nachlassverwalter” gibt es zwar, aber auch sie können z.B. nicht immer dabei helfen, herauszufinden, was sich der Verstorbene eigentlich für seinen Nachlass gewünscht hat.

Das führt uns zu einer einfachen Schlussfolgerung: Wer seinen späteren Hinterbliebenen Leid ersparen und Arbeit abnehmen oder sichergehen will, dass sein Nachlass in seinem Sinne gepflegt wird, muss sich beizeiten selbst darum kümmern. Das gilt insbesondere für Blogger mit einer großen technischen und vertraglichen Infrastruktur (Domains, Webspace, Themes, Tracking-Services, Affiliate-Accouts, …), einer Leserschaft und vermutlich einem halben Dutzend Endgeräten.

Über welche Bereiche sich Gedanken machen?

Anhand der folgenden Checkliste kann sich jeder Blogger (und auch jeder zufällige Leser dieses Artikels) Gedanken machen, welche Bereiche seiner digitalen Identität er regeln kann, will, soll oder muss.

Es ist sinnvoll, die Ergebnisse dieser Überlegungen festzuhalten. Das kann im Rahmen eines Testaments passieren, aber häufig hilft es den Hinterbliebenen schon, wenn überhaupt ein Dokument vorliegt. Aus diesem sollten drei Dinge hervorgehen:

  • Was umfasst das eigene digitale Leben und wird somit zur Erbmasse?

  • Was wünscht man sich für den jeweiligen Bereich?

  • Wie erhalten die Hinterbliebenen Zugriff auf Daten oder Zugang zu Accounts und was ist zu beachten?

Faustregeln für den digitalen Nachlass

Erste Faustregel für den Fall, dass man Hinterbliebenen Account-Logins überlassen möchte: Es ist oft sinnvoller, das Masterpasswort zu einem Passwortmanager zu hinterlassen, als eine Liste unzähliger, ständig veralteter Passwörter.

Zweite Faustregel: Je formeller man das Dokument aufsetzt, desto eher ist es im Streitfall auch juristisch durchsetzbar.

Dritte Faustregel: Wer zu Lebzeiten bereits ahnt, dass es nach dem Tod Zoff geben wird, tut gut daran, sich rechtlich beraten zu lassen.

Vierte Faustregel: Logins nützen nichts, wenn dem “Erben” das technische Know-How fehlt. Es ist also sinnvoll, im Nachlassdokument auch jemanden zu nennen, der ggf. bei WordPress-Problemen, Nameservern, FTP- oder SSH-Zugängen und Serverkonfigurationen helfen kann.

Checkliste für den digitalen Nachlass von Bloggern

Allgemeiner digitaler Nachlass

  • Der primäre Mail-Account: neue und alte Gespräche; Passwort-Resets
  • Relevante Online-Accounts
  • Wichtige Dateien
  • Hardware

Das Blog/die Blogs

  • Dokumentation des Aufbaus und aller wichtigen Zugänge, Verträge und Eigentumsverhältnisse: URLs, Provider, Admins der Domains; ggf. Co-Blogger, Urheberrechtshinweise bei Gastartikeln im eigenen Blog.
  • Urheberrechte: Nutzen andere Seiten oder Medien eigene Werke (Fotos, Texte wie Gastartikel etc.)?
  • Material: Recherchenotizen, Quellen, Skizzen, Fotos
  • Affiliate-Programme oder Werbepartner: Wenn das Blog monetarisiert wird, liegt immer irgendwo Geld. Auch das sollte dokumentiert werden (was ja auch für sich selbst ganz gut ist).
  • Die Buchhaltung: Selbstständige Blogger müssen eine mehr oder weniger komplexe Buchhaltung leisten – und leider sind sie oft die Einzigen, die im Zettel-. Rechnungs-, Gutschrifts- und Belegs-Wirrwarr durchblicken.

Online-Präsenzen

  • Social-Media-Kanäle: Neben einer Liste der relevanten Accounts sollte auch festgehalten werden, ob und wie man sich die Kommunikation des eigenen Todes wünscht.
  • Spezifische Communities: Mitgliedschaften in Bloggergruppen, Stammtischgruppen, Foren

Kommunikationen

  • Fans: Nach dem Tod trauert nicht nur das direkte Umfeld, es trauern auch Stammleser. Wie soll mit ihnen weiter kommuniziert werden?
  • Geschäftspartner: befreundete Blogger

Zum Abschluss: Kümmert euch!

Dieser Artikel ist eine erste Anregung, sich Gedanken über das eigene digitale Leben nach dem Tod zu machen. Wichtig ist aber auch, mit den potenziellen künftigen Hinterbliebenen zu sprechen und sich auch mit Kollegen und Partnern auszutauschen.

Ansonsten: Bleibt gesund – ich hoffe, dass die Informationen in diesem Artikel erst in vielen Jahrzehnten für euch relevant werden!

***

Dennis Schmolk schreibt seit 2005 Sachen ins Internet. Die alten Projekte sind ihm inzwischen teils sehr peinlich, darum musste ein neues her: Seit Mitte 2015 bloggt er zusammen mit Sabine Landes unter digital-danach.de über Fragen rund um digitalen Nachlass und organisierte mit ihr die erste Fachkonferenz zum Thema. Worum man sich als Blogger kümmern sollte, bevor man das Zeitliche segnet, schildert er in diesem Gastbeitrag.
* Ich gehöre zur Generation der Blogger, die “der Blog” ablehnt.

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<p>Socialmedia Marketer | Content Marketer und Reisende aus Leidenschaft. Liebt Road-Trips, das Fahren steht im Vordergrund. Bevorzugte Reiselektüre: Thriller auf einsamen Übernachtungsplätzen lesen. Bevorzugte Destinationen: Küstenlandschaften und Weltkulturerbe.<br />
Aktuell schreibe ich an einer Masterthesis über Socialmedia Strategie aus Sicht der Millenials.</p>
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